Dramatische Niedrigwasserphase im Pillmoos: Fischereiverein Straubing rettet über 1,5 Tonnen Fische aus dem Baggerloch


Abfischung im Schutzgebiet Pillmoos zeigt die enorme Bedeutung des Donau-Altwassers als Rückzugsraum und natürliche Kinderstube für heimische Fischarten

Eine bedrohliche Entwicklung des Wasserstands im Donau-Altwasser „Baggerloch“ im Landschaftsschutzgebiet Pillmoos bei Straubing machte Anfang Oktober eine umfangreiche Rettungsaktion erforderlich. Nach monatelanger Niedrigwasserphase und anhaltend hohen Sommertemperaturen drohte der Lebensraum für zahlreiche heimische Wasserbewohner endgültig verloren zu gehen. Der Fischereiverein Straubing entschied sich deshalb nach Rücksprache mit den zuständigen Fachbehörden für eine vollständige Abfischung des Gewässers am Wochenende vom 10. und 11. Oktober. Insgesamt konnten dabei rund 1.550 Kilogramm Fische geborgen und in geeignete Donauabschnitte umgesetzt werden.

Bedrohliche Zustände während der Sommermonate

Bereits in den Monaten Juli, August und September hatte die extreme Wasserknappheit im mittlerweile von der frei fließenden Donau abgetrennten Altwasser zu einer erheblichen Gefährdung des aquatischen Lebensraums geführt. Betroffen waren nicht nur die heimischen Fischbestände, sondern ebenso Muscheln, Krebse, Wasserinsekten und Amphibien.

In Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Deggendorf und der Stadt Straubing wurden deshalb im Sommer Pumpaktionen durchgeführt, um Wasser aus der frei fließenden Donau in das Altwasser einzuleiten und die Situation vorübergehend zu stabilisieren.

Seit Juli überwachten die Gewässerwarte des Fischereivereins die Entwicklung im Rahmen der vereinsinternen Gewässeraufsicht. Neben dem Wasserstand wurden regelmäßig die Wassertemperatur, der pH-Wert und der Sauerstoffgehalt kontrolliert. Dabei mussten zeitweise Wassertemperaturen von über 30 Grad Celsius festgestellt werden. Die Sauerstoffsättigung sank zwischenzeitlich auf lediglich rund 30 Prozent – ein kritischer Wert, der insbesondere für empfindliche Fischarten lebensbedrohlich werden kann.

Nach dem Abbau der Pumpen im August entspannte sich die Situation durch den Rückgang der Temperaturen zunächst etwas. Die Sauerstoffsättigung erholte sich auf etwa 50 bis 60 Prozent, sodass vorerst regelmäßige Kontrollen des Wasserstands und der Temperatur fortgesetzt wurden.

Anfang Oktober zeigte sich jedoch erneut eine dramatische Entwicklung: Der Pegel war um weitere 15 Zentimeter gefallen. Je nach Gewässerabschnitt verblieb lediglich eine Restwassertiefe von etwa 20 bis 100 Zentimetern. Damit war eine nachhaltige Sicherung des Fischbestands ohne weitere Maßnahmen nicht mehr gewährleistet.

Die Abfischung wurde dabei nicht wegen der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Temperaturen durchgeführt, sondern vor allem mit Blick auf die bevorstehenden Wintermonate. Bei anhaltend niedrigen Wasserständen könnte das Gewässer unter entsprechenden Winterverhältnissen bis zum Boden durchfrieren. Dadurch wären die gesamte Unterwasserwelt und insbesondere die verbliebenen Fische, Muscheln, Krebse und sonstigen Wasserorganismen von Erfrierungen und Sauerstoffmangel bedroht. Um ein solches vollständiges Absterben des aquatischen Lebensraums zu verhindern, wurde die Maßnahme noch vor dem Winter umgesetzt.

26 freiwillige Helfer im Einsatz

Nach Rücksprache mit den zuständigen Fachbehörden entschied die Vereinsführung, das gesamte Baggerloch am Wochenende vom 10. und 11. Oktober abzufischen. Die Gewässerwarte übernahmen die weitere Planung und Organisation. Über die Helfergruppe des Vereins konnten insgesamt 26 Freiwillige aus der Hauptvereins- und Jugendgruppe mobilisiert werden.

Bereits am Samstag, dem 10. Oktober, begannen die Vorbereitungen. Boote wurden für den Einsatz bereitgestellt und störende Gegenstände aus dem Wasser geborgen, um die Abfischung mit einem Zugnetz überhaupt zu ermöglichen. Neben zahlreichen alten Autoreifen wurde dabei unter anderem auch ein ausgedienter Zigarettenautomat aus dem Gewässer entfernt. Weitere Gegenstände mussten ebenfalls geborgen und entsorgt werden.

Am frühen Sonntagmorgen, dem 11. Oktober, begann schließlich die eigentliche Rettungsaktion. Aufgrund der extremen Verschlammung wurde das Gewässer mit Netzen in einzelne Abschnitte unterteilt, die nacheinander abgefischt wurden. Zusätzlich kam ein Elektrofischfanggerät zum Einsatz, um die Fische möglichst vollständig zu erfassen.

Dabei zeigte sich das ganze Ausmaß der Verlandung: In manchen Bereichen hatten sich bereits über einen Meter mächtige Schlammschichten abgelagert. Besonders im Bereich der beim Donauausbau angelegten Flutmulde waren umfangreiche Sedimentablagerungen und Rückstaubereiche erkennbar. Dadurch wurden einzelne Gewässerabschnitte zunehmend voneinander getrennt.

Über 1,5 Tonnen Fische gerettet

Die Abfischung brachte eindrucksvoll zum Vorschein, welche Bedeutung das Baggerloch für den Fischbestand der Donau besitzt. Trotz der extremen Bedingungen konnten große Mengen an natürlich reproduzierten Fischen geborgen werden.

Insgesamt wurden rund 870 Kilogramm natürlich reproduzierte Jungfische sowie weitere 680 Kilogramm adulte Fische abgefischt. Zu den festgestellten Arten zählten unter anderem Karpfen, Schleien, Hechte, Zander, Brachsen und Rotaugen sowie weitere heimische Weißfischarten.

Besonders bemerkenswert waren die Größen der geborgenen Fische: Die Hechte erreichten Längen von etwa 30 bis 90 Zentimetern, die Brachsen von 8 bis 66 Zentimetern. Bei den Karpfen wurden Exemplare mit Gewichten zwischen 100 Gramm und 18 Kilogramm festgestellt. Die Zander erreichten Größen von etwa 20 bis 55 Zentimetern.

Sämtliche geborgenen Fische wurden anschließend in geeignete Abschnitte der Donau umgesetzt. Damit konnte ein erheblicher Teil des Fischbestands vor den Folgen der fortschreitenden Austrocknung und Verschlammung bewahrt werden.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Altwasser nicht lediglich ein Nebengewässer der Donau ist, sondern ein bedeutendes Rückzugsgebiet und eine natürliche Reproduktionsstätte für zahlreiche Fischarten darstellt. Seine Bedeutung reicht dabei weit über den unmittelbaren Raum Straubing hinaus: Gerade im Frühjahr werden solche Altwasserbereiche als Laichhabitate aufgesucht und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Vermehrung der Fischbestände.

Trotz der langen Niedrigwasserphase und der hohen Temperaturen konnten bei der Abfischung vergleichsweise wenige Ausfälle festgestellt werden. Dies unterstreicht die vorangegangenen wichtigen Notmaßnahmen des Vereins sowie die Widerstandsfähigkeit des vorhandenen Ökosystems, macht aber zugleich deutlich, wie dringend eine dauerhafte Verbesserung der Wassersituation erforderlich ist.

Wiederanbindung und Entlandung sollen den Lebensraum sichern

Um eine Wiederholung derartiger Notlagen künftig möglichst zu verhindern, finden derzeit Gespräche über eine Wiederanbindung des Altwassers an die frei fließende Donau statt. Ziel ist es, den Wasseraustausch und die Durchgängigkeit des aquatischen Lebensraums möglichst ganzjährig sicherzustellen – insbesondere auch während ausgeprägter Niedrigwasserphasen.

Darüber hinaus hat der erste Vorsitzende Plendl einen Antrag zur Vorantreibung einer vollständigen Wiederanbindung und Entlandung des Gewässers gestellt. Dieser befindet sich derzeit bei der Stadt Straubing zur Prüfung. Die bei der Abfischung festgestellten, teilweise über einen Meter mächtigen Sedimentablagerungen und Anschwemmungen verdeutlichen den Handlungsbedarf.

Ein ungewöhnlicher Fund kam während der Arbeiten ebenfalls ans Licht: Unmittelbar hinter der Flutmulde, die von der Donau in Richtung Baggerloch führt, wurde im Gewässergrund ein offenbar älterer Pkw entdeckt, bei dem es sich vermutlich um ein Fahrzeug der Marke Volkswagen handelt. Das Fahrzeug steckt etwa bis zur Hälfte im Schlamm, während der übrige Teil noch unter Wasser liegt. Eine vollständige Untersuchung oder Bergung war im Rahmen der Abfischung nicht möglich. Daher konnten auch keine aussagekräftigen Gesamtaufnahmen des Fahrzeugs angefertigt werden. Der Fund wurde an das Umweltamt der Stadt Straubing weitergemeldet. Die weiteren erforderlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Fahrzeug werden in dessen Zuständigkeit durchgeführt.

Ein Lebensraum für zahlreiche Tierarten

Dass das Baggerloch weit mehr als ein reines Fischgewässer ist, zeigte sich auch während der Rettungsaktion. Neben den geborgenen Fischen konnten die Helfer eine Vielzahl weiterer Tierarten beobachten. Besonders aufmerksam verfolgte die ansässige Biberfamilie das Geschehen. Außerdem wurden zahlreiche Eisvögel und Graureiher sowie sogar ein Brachvogel im Bereich des Gewässers festgestellt.

Diese Beobachtungen verdeutlichen den hohen ökologischen Wert des Landschaftsschutzgebiets Pillmoos. Intakte Altwasser erfüllen vielfältige Funktionen: Sie bieten Nahrung und Rückzugsräume, dienen als Laich- und Aufwuchsgebiete und stellen wichtige Lebensräume für zahlreiche Tiergruppen dar. Ihr Erhalt ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Natur- und Artenschutzes.

Weitere Reinigungsaktion im November geplant

Für den Fischereiverein Straubing steht fest, dass die Rettungsaktion nicht mit der erfolgreichen Abfischung abgeschlossen ist. Im November ist eine weitere Reinigungsaktion rund um das Gewässer vorgesehen. Dabei sollen verbliebene Fremdkörper und größere Gegenstände entfernt werden, die den Lebensraum beeinträchtigen.

Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass bei einem dauerhaft niedrigen Wasserstand auch künftig weitere Maßnahmen unumgänglich werden können. Dazu zählen insbesondere die Zuführung von Frischwasser in den Sommermonaten sowie gegebenenfalls eine erneute Abfischung in den Herbstmonaten, um eine Gefährdung des Fischbestands und der übrigen Unterwasserwelt zu verhindern.

Die Vereinsführung bedankt sich ausdrücklich bei den tatkräftigen und freiwilligen Helferinnen und Helfern aus Hauptverein und Jugendgruppe, die sich mit großem Einsatz, viel Kraft und unter teilweise schweißtreibenden Bedingungen an den Vorbereitungen und der Abfischung beteiligt haben.

Die Aktion hat eindrucksvoll gezeigt, welchen Beitrag eine engagierte Fischereivereinsarbeit zum Natur- und Artenschutz leisten kann. Zugleich macht sie deutlich, dass langfristig wirksame Lösungen erforderlich sind, damit das Baggerloch auch künftig seine wichtige Funktion als Rückzugsraum, Laichhabitat und natürliche Kinderstube für die Fischbestände der Donau erfüllen kann.