Rettungseinsatz an der Öberauer Donauschleife: Fischer kämpfen gegen fragwürdige Hochwasser-Simulation

Öberau – Was sich am Ostermontag, den 6. April 2026, an der Öberauer Donauschleife abspielte, ist für die engagierten Fischer des Bezirksfischereiverein Straubing e. V. längst traurige Routine geworden – und dennoch jedes Jahr aufs Neue erschütternd.

Im Rahmen der alljährlichen Hochwasser-Simulation, deren Ursprung in Planungen der 1970er- und 1980er-Jahre liegt, kam es auch heuer wieder zu dramatischen Szenen: Zahlreiche Fische gerieten während der Absenkphase in künstlich geschaffenen Senken in eine tödliche Falle. Die künstlich geschaffenen Vertiefungen in den Donausenken verhindern den Rückzug der Fische ins Hauptgewässer – ein Problem, das seit Jahren bekannt ist, aber bislang ungelöst bleibt, klagt der Verfasser und 1. Vorsitzende des Bezirksfischereiverein Stefan Plendl.

Ein reich gedeckter Tisch für den Fischotter

Doch 2026 brachte eine zusätzliche, bittere Entwicklung mit sich: Noch bevor die Retter eingreifen konnten, waren Fischotter schneller. Offenbar nutzten gleich mehrere Tiere die Situation über die Osterfeiertage hinweg als leicht zugängliche Nahrungsquelle. Am Uferrand bot sich ein erschreckendes Bild – angefressene Kadaver, Fischgerippe und verendete Tiere zeugten von einem regelrechten „Fischbuffet“.

Die kurzfristig bereits am Ostersonntag einberufene Rettungsaktion des Fischereivereins konnte dennoch Schlimmeres verhindern. Vier große Schuppen- bzw. Wildkarpfen wurden lebend geborgen, ebenso mehrere Kilogramm Kleinfische – darunter auch streng geschützte Arten wie der Bitterling.

Invasive Arten und ein gestörtes Gleichgewicht

Neben den heimischen Fischarten machten die Helfer eine weitere besorgniserregende Entdeckung: Eine größere Population invasiver asiatischer Schlammpeitzger hatte sich in den isolierten Gewässern angesiedelt. Diese wurden konsequent entnommen, um das ökologische Gleichgewicht nicht weiter zu gefährden.

Die geretteten heimischen Fische wurden anschließend in den natürlichen Donauabschnitt der Öberauer Schleife zurückgesetzt – ein kleiner Erfolg in einer insgesamt problematischen Situation.

Jahr für Jahr ein größeres Problem

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

  • 2024 mussten über 220 Kilogramm Fische geborgen werden
  • 2025 waren es noch 145 Kilogramm
  • 2026 verhinderten vor allem die zahlreichen Fischotter größere Rettungsmengen – mit entsprechend hoher Verlustrate

Für die Vorstandschaft des Bezirksfischereivereins stellt sich daher zunehmend eine grundlegende Frage:
Hat diese künstliche Hochwasser-Simulation überhaupt noch einen Sinn?

Natur kontra Bürokratie

Kritik kommt aus mehreren Richtungen. Die betroffenen Flächen sind größtenteils Magerwiesen, die keiner künstlichen Überflutung bedürfen. Gleichzeitig fällt die Maßnahme genau in eine sensible Jahreszeit: Während sich das Wasser zurückzieht, beginnt bereits die Brutzeit einiger geschützter Vögel – ein zusätzlicher Eingriff in ein ohnehin empfindliches Ökosystem.

Hinzu kommen die Folgen für die Fischwelt: Die Simulation lockt Tiere in Bereiche, aus denen es kein Entkommen gibt. Was zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts angedacht war, endet für viele Fische qualvoll bis hin zum Tod.

Trotz wiederholter Gespräche mit zuständigen Behörden wie dem Wasserschifffahrtsamt gibt es bislang keine Lösung. Auch technische Anpassungen wie eine Vertiefung oder eine Anbindung der Tümpel an das Hauptgewässer wurden als nicht umsetzbar eingestuft.

Ehrenamt als letzte Rettung

Was bleibt, ist der unermüdliche Einsatz der Fischer aus dem Bezirksfischereiverein Straubing – ehrenamtlich, engagiert und mit einem klaren Ziel: Natur- und Artenschutz dort umzusetzen, wo offizielle Maßnahmen versagen.

Ihr Einsatz zeigt eindrucksvoll, was verantwortungsvolle Gewässerbewirtschaftung wirklich bedeutet. Doch gleichzeitig wirft er ein Schlaglicht auf ein System, das dringend hinterfragt werden muss.

Denn eines ist klar:
Wenn Natur zum Experiment oder zur Ideologie wird, sind es oft die Tiere, die den Preis zahlen.

Stefan Plendl, 1. Vorsitzender