Obere Teisnach – ein Juwel mit vielen Problemen

Unser vom Freistaat Bayern gepachtetes Fischereirecht „Obere Teisnach“ im Landkreis Regen umfasst die Teisnach von der Brücke beim Feuerwehrhaus Gotteszell aufwärts mit allen Seitenbächen und Kraftwerksausleitungen. Fischereilich bedeutsam ist vor allem das Hauptgewässer vom Bereich Achslach zur unteren Fischereigrenze.

Fischarten: Es handelt sich um typische Forellenbäche mit der Leitart Bachforelle und der Mühlkoppe als Nebenfisch. Durch Besatz gibt es auch Bachsaiblinge und als Teichflüchtlinge treten gelegentlich Regenbogenforellen und Tigerfische auf. In den Bereich der unteren Fischereigrenze kann sich mal eine Äsche verirren. 

Fischbestand: Der Otter fängt heute weit mehr als die Angler: Die in einer vergangenen Fischerzeitung abgedruckten Fangzahlen von vor 40 Jahren wirken wie von einen anderen Planeten und Erzählungen von älteren Kameraden über das leichte Erreichen des früheren Fanglimits von sieben Fischen sind heute kaum vorstellbar. Um 2003 wurden im Bayerischen Wald überall Fischotter festgestellt und die Forellenbestände brachen stark ein. Durch das flächige Auftreten des Otters in kurzer Zeit steht bis heute der Verdacht von illegalen Auswilderungen im Raum. Trotzdem konnten in der Teisnach noch vor zehn Jahren häufig die jetzt erlaubten vier Forellen gefangen werden und die wild im Bach herangewachsenen Fische hatten noch einen wesentlichen Anteil daran. Durch die weitere Zunahme des Otters muss man heute froh sein, ein oder zwei fangfähige Besatzforellen zu erbeuten. Der Fang einer wild im Bach aufgewachsenen Forelle in fangfähiger Größe ist zur Ausnahme geworden. Es laichen aber offensichtlich noch viele Fische um die 20 cm ab und so gibt es im Gegensatz zu Kinsach und Menach noch einen guten Bestand an jungen Bachforellen. Es kommt vor, an einem Angeltag einige Dutzend Bachforellen bis 22 cm zu beobachten aber keine Maßige an den Haken zu bringen. Trotzdem werden durch die Angler immer noch jährlich zwischen 100 und 200 Bachforellen gefangen. Durch erhöhten und auf zeitlich aufgeteilten Besatz in fangfähiger Größe wird das Gewässer attraktiv gehalten. Eine „gmahde Wiesn“ ist die Teisnach aber nicht mehr, sondern den Erfolg muss man sich erarbeiten. Es ist eigentlich klar, dass der überhöhte Otterbestand jaglich reguliert werden muss, aber die Gerichte haben in Bayern bisher alle Abschusserlaubnisse einkassiert mit der Begründung, dass es keine Bestandszahlen gibt. Der BFV Straubing hat mit der Teilnahme am Ottermonitoring des Landesamtes für Umwelt seinen Teil geleistet, dass sich das ändert. Hoffen wir, dass damit bald der Weg frei ist für eine begrenzte Zahl von Otter-Abschüssen. 

Schätze der Natur – Flussperlmuschel und Steinkrebs: Diese stark bedrohten Arten kommen im Wolfertsrieder Bach vor. Der Steinkrebs ist durch den sich stark ausbreitenden invasiven Signalkrebs akut bedroht; der Ausbruch der Krebspest ist nur eine Frage der Zeit. Durch den Einbau von Edelstahlsperren versucht der Landkreis Regen die Signalkrebse zumindest aus den Seitengräben mit einem besonders dichten Steinkrebsbestand fern zu halten. Ob es gelingen wird? Besser schaut es bei der Flussperlmuschel aus. Zwar geht hier der überalterte Naturbestand zurück und die Verjüngung auf natürlichen Weg klappt noch nicht, weil immer noch zuviel Sediment in den Bach eingetragen wird. Durch Zucht wird hier aber erfolgreich nachgeholfen. Nach ein paar Lebensjahren sind die Muscheln robuster. Das Engagement des Landkreises Regen ist hier lobend zu erwähnen, aber natürlich trägt auch der BFV Straubing z. B. mit dem Bachforelleneierprojekt bei. Dadurch erhöht sich die Zahl der Wirtsfische für die Muschellarven. 

Wasserkraft und Kleinausleitungen: Elf Kleinwasserkraftwerke zerstückeln das Fischereirecht. Alle sind unter 50 kW und somit für die Energieversorgung kaum relevant. Vielfach werden Fischpässe nicht gepflegt und damit Ausleitungsstrecken fast trocken gelegt oder es werden Bestimmungen der Bescheide nicht eingehalten. Durch Präsenz, Kontrolle und konsequente Meldung konnten hier Verbesserungen erreicht werden, aber durch die Unvernunft einiger Betreiber bleibt das Thema eine Dauerbaustelle. Anderseits sind die Kraftwerksstaue in und um Achslach noch die Plätze, an denen sich die fangfähigen Forellen längere Zeit halten können. Hier haben sie den notwendigen Platz, um der Jagd durch den Otter auch mal zu entkommen. Auch andere Anwohner als die Kraftwerksbetreiber nehmen oft keine Rücksicht auf die Wasserwelt und der Verein hat jetzt eine Reihe von Kleinausleitungen angezeigt. Bei den immer längeren Trockenperioden und höheren Spitzentemperaturen sind auch Wasserentnahmen z. B. für Gartenteiche oder für die Gartenbewässerung vor allem in den kleinen Nebenbächen ein Problem. 

Der Biber – Freund oder Feind: Besonders im Wolfertsrieder Bach ist der Biber sehr aktiv mit rund 20 Staudämmen. Die tieferen Staue sind bei den Forellen beliebt und es ist ein erhöhter Bestand an jungen Forellen zu beobachten. Die flachen, breiten Staue bei Randsburg dagegen sind ein Problem, da sie das Wasser stark erwärmen und so mussten die Perlmuscheln in der Hitzewelle 22 Grad ertragen. Der BFV Straubing strebt daher Eingriffe in diese Dämme an. Wie sich die Dichte an Staudämmen auf die Forellenvermehrung auswirken wird, ist derzeit noch unklar. Durch Zerschneidung und Sedimentablagerung ist eine negative Entwicklung zu vermuten, derzeit ist aber sogar noch das Gegenteil zu beobachten. Im Bereich der Muschelbank werden die Dämme durch den Landkreis konsequent entfernt, da hier eine zusätzliche Ablagerung von Sedimenten nicht toleriert werden kann. 

Einschätzung und Ausblick: Mit dem guten Jungfischbestand zeigt uns die Teisnach, dass sie das Potenzial hätte, die alten Zeiten bei den Fängen zumindest teilweise zurück zu bringen. Ob es so wird, hängt vor allem von den politischen und juristischen Entscheidungen zum Otter ab. Die Teisnach bleibt ein interessantes und streckenweise recht wildes Gewässer für die Liebhaber der Natur, die sich auch z. B. über Eisvögel und Krebse freuen, aber nicht immer einen vollen Kescher haben müssen. Trotzdem hoffen wir, dass die Kescher eines Tages mal wieder voller werden.