Ein derzeit besonders erschütterndes Ereignis bewegt uns als Fischer in Straubing zutiefst: Entlang der Donau werden vermehrt tote und schwerstverletzte Aale aufgefunden. Betroffen sind vor allem laichreife Tiere – sogenannte Blankaale –, die sich auf ihrer natürlichen Wanderung zu ihren Laichgebieten in der Sargassosee befinden.
Diese Tiere haben ein Alter von 15 bis 20 Jahren – oft sogar darüber – erreicht, bevor sie ihre einmalige und letzte Reise antreten. Viele von ihnen werden ihr Ziel jedoch niemals erreichen.
Turbinen verursachen schwerste Verletzungen
Ursache des dramatischen Geschehens sind Verletzungen durch Wasserkraftturbinen. Insbesondere bei Hochwasser geraten die wandernden Aale mit der starken Strömung in die Turbinenanlagen. Dort führen hohe Drehzahlen und enorme Druckunterschiede zu schwersten mechanischen Schäden.
Zahlreiche Tiere werden regelrecht zerhäckselt oder in mehrere Teile gerissen. Ein erheblicher Teil verendet unmittelbar, andere treiben schwer verletzt flussabwärts.
In ruhigeren Uferbereichen versuchen die geschwächten Tiere Schutz zu finden – etwa nahe der Schlossbrücke oder in Rückzugszonen entlang der Donau. Dort setzt sich das Leiden fort: Vögel wie Reiher und Rabenvögel sowie Fischotter nutzen die leichte Beute. Viele Aale sterben erst nach einem langen, qualvollen Kampf.
Noch lebende, aber nicht überlebensfähige Tiere müssen aus tierschutzrechtlichen Gründen durch unsere Gewässerwarte fachgerecht getötet und entsorgt werden. Eine Verwertung ist aufgrund massiver Einblutungen und Gewebeschäden nicht möglich.
Ökologischer und wirtschaftlicher Schaden enorm
Der Aal steht mittlerweile auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Jeder einzelne Blankaal ist ökologisch von unschätzbarem Wert.
Neben dem ökologischen Verlust entsteht auch ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden: Blankaale erzielen Marktpreise von rund 30 Euro pro Kilogramm. In den vergangenen Wochen mussten bereits Dutzende Tiere mit Längen von bis zu 1,20 Metern entsorgt werden. Hochrechnungen lassen befürchten, dass allein in unserem Abschnitt mehrere Tonnen Fisch verloren gegangen sein könnten.
Doch Zahlen werden der Tragweite kaum gerecht – es handelt sich um Tiere, die Jahrzehnte überlebt haben und nun kurz vor Erreichen ihres Laichziels zugrunde gehen.
Nicht nur Aale betroffen
Auch andere Großfischarten wie Wels, Hecht oder Brachse werden insbesondere während Hochwasserereignissen mit schweren Turbinenverletzungen aufgefunden. Die langfristigen Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht der Donau sind derzeit nicht abschätzbar.
Als Vorstand des Fischereivereins zeigen wir uns tief betroffen. Seit Jahren beobachten wir eine besorgniserregende Entwicklung der Fischbestände. Neben technischen Eingriffen wie Wasserkraftanlagen belasten auch zunehmende Prädatoren wie Kormoran, Gänsesäger und Fischotter die Populationen erheblich. Trotz intensiver Besatz- und Hegemaßnahmen sind diese Verluste kaum auszugleichen.
Mögliche Lösungsansätze zum Schutz wandernder Fischarten
Es gibt bewährte technische und betriebliche Maßnahmen, die die Mortalität deutlich reduzieren könnten:
1. Leitrechen-Bypass-Systeme:
Feinrechen mit enger Stababstandsweite verhindern das Eindringen der Fische in Turbinen. Sichere Bypass-Systeme leiten Fische schadlos ins Unterwasser.
Optimierte Leitströmungen führen wandernde Fische gezielt zum Bypass.
2. Fischfreundliche Turbinentechnik:
Spezielle Niedrigdrehzahl-Turbinen (z. B. DIVE-Turbinen) Reduzierte Schaufelanzahl und größere Abstände Minimierung von Druckunterschieden
3. Verhaltensbasierte Schutzsysteme:
Elektrische Felder zur Ablenkung Optische und akustische Barrieren
4. Betriebliche Maßnahmen:
Anpassung der Durchflussmengen Temporäres Abschalten von Turbinen während Hauptwanderzeiten
5. Aktive Abfischungen:
Einsatz von Hamen, Aalschockern oder Reusen vor Gefahrenstellen Schonende Umsetzung der Tiere ins Unterwasser
Durch die Kombination dieser Maßnahmen – insbesondere Feinrechen in Verbindung mit sicheren Bypässen – ließe sich das Risiko für wandernde Fischarten erheblich reduzieren.
Appell zum Handeln
Das aktuelle Fischsterben wirft dringende Fragen zum Schutz wandernder Arten und zum Betrieb von Wasserkraftanlagen unter Extrembedingungen auf.
Es mangelt weniger an technischen Möglichkeiten als vielmehr an konsequenter Umsetzung, finanzieller Priorisierung und öffentlicher Sensibilisierung. Auch wir als Fischer und Verbände müssen weiterhin aufklären, dokumentieren und den Dialog suchen.
Der Schutz unserer Wanderfische ist nicht nur ein Anliegen der Fischerei – er ist eine Frage des Artenschutzes und der Verantwortung gegenüber unseren Gewässern.